Rovistad -eine Begegnungsreise in Bolivien-

rovistad

Von uns nahmen Tobi, Judith, Benne, Jörg und Christian an der Reise nach Bolivien teil und fuhren für etwa einen Monat nach Cochabamba. Wer mehr darüber wissen will, findet sehr ausführliche Informationen auf der Rovistad Homepage.

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Zunächst sollte an dieser Stelle kurz der Name erklärt werden: Rovistad setzt sich zusammen aus Rover (die Altersstufe um die es hier geht) und dem spanischen Wort amistad, was so viel heißt wie Freundschaft, Partnerschaft.

Rovistad war eine Begegnungsreise zwischen der DPSG und den Pfadfindern Boliviens. Im Mittelpunkt der Reise stand ein Projekt in Chapare, dem Regenwald Boliviens. Dort sollte ein Zeltplatz zusammen mit den bolivianischen Rovern errichtet werden.

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Am 28.07.2002 flogen wir in Frankfurt los. Nach insgesamt über 26 Stunden anstrengender Reise über Dallas und Maimi landeten wir in Cochabamba. Na nicht wirklich, denn gelandet sind wir in La Paz und mussten dann auf dem 4500m hoch gelegenen Flughafen feststellen, dass es auch in Südamerika Schnee gibt. Während wir uns über den Schnee freuten, saß unser Begrüßungskommitee noch im Bus auf dem Weg nach La Paz. Der Grund dafür, wie wir später erfuhren, war der starke Schneefall am Tag zuvor, der ihre Abfaht verzögert hat. So stiegen sie auf der Mitte des Weges zu uns zu.

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Bei der Ankunft in Cochabamba wurde uns ein toller Empfang geboten. Ca. 100 Bolivianer in Kluft warteten im Nationalzentrum der bolivianischen Pfadfinder, wo wir untergebracht waren, auf unser Eintreffen.

Freundschaft, Spass und Lust auf mehr war die Stimmung der rauschenden Willkommensfete. Mit dieser rovergemäßen Party sind wird hier erst richtig angekommen. Natürlich kamen wir auch unseren "touristischen Pflichten" nach, so bummelten wir durch die Innenstadt, z.B. besuchten wir den Hauptplatz, den Dom und das Haus von Simón Patiño, dem ehemals reichsten Mann der Welt. Höhepunkt der Besichtigungstour war die in Deutschland nicht vorstellbare Kleinbusfahrt mit 46 Leuten und der Besuch der größten Christusstatue der Welt (3 Meter höher als in Rio und so groß, dass sie nicht aufs Foto passte). Soziale Gegensätze erlebten wir in vielen Situationen. Dies war ein Thema, das uns die ganze Reise begleitete

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Jetzt begann das eigentliche Projekt im Chapare.

Als wir am 02.08. losfuhren, mussten wir einige Teilnehmer und zwei Leute vom Leitungsteam zurücklassen. Montezuma hatte sich an ihnen gerächt. Zusammen mit ca. 30 bolivianischen Rovern machten wir uns auf den Weg. In der Nähe von Villa Tunari angekommen mussten wir feststellen, dass Tropen auch kalt sein können. Der Vorteil war, dass es so gut wie keine Mücken gab. Die erste Überraschung war der ungewohnte Umgang mit der bolivianischen Pfadfinderei. Erst pfeifen, dann in Formation antreten. Wie sich das zu Anfang eines Lager gehört, links die Deutschen, rechts die Bolivianer, bloß nicht mischen. Nach Aufbau, kurzer Arbeitseinteilung, hieß es gemeinsam die Ärmel hochkrempeln und Steine aus dem Urwaldbach pulen zum Fundamentbau. Vor dem Schlafen haben wir noch kurz den Geburtstag von Juan-Ernesto gefeiert. Anschließend nichts wie in die deutsch-bolivianischen Zelte. Die Zeltbelegung sowie die Arbeitsgruppen wurden international gemischt.

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Am nächsten Tag erhielten alle eine kurze Einweisung in das Projekt. Die Lagerregeln wurden bekannt gegeben und los ging es mit schuften. Diesmal mit Mücken und entsprechender Hitze. Unsere Arbeitsgebiete erstreckten sich auf Materialbeschaffung (große Kieselsteine aus einem Flussbett holen), Wege und Brückenbau, Naturschwimmbadbau im Urwaldbach, Parkplatzbau, Küche und Hausbau. Die Arbeitsgebiete blieben weitgehenst die ganze Zeit gleich nur die Leute wechselten täglich. Am Abend fuhren wir alle zusammen nach Villa Tunari. Dort war ein in ganz Bolivien bekanntes Fischerfest mit ca. 50.000 Besuchern. Diesmal auch mit Deutschen. Wir wurden als gemeinsame Scoutgruppe mehrmals offiziell von den verschiedenen Musikgruppen auf der Bühne begrüßt. Man kam sich auch beim Tanzen zwischen den Kulturen schnell näher. Nach unserer Rückkehr ins Lager stellten wir fest, dass ein Teil unserer Kranken nachgekommen war.

Nachdem wir morgens immer gearbeitet hatten, besuchten wir an den folgenden Tagen nachmittags einen Urwaldspielplatz, eine Antidrogeneinheit und einen Tierpark.

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Am letzten Tag im Chapare haben wir mit unseren Freunden eine Zeremonie gefeiert. Pachamama (die Mutter Erde) wurde durch eine Opferzeremonie um Verzeihung gebeten, dass wir sie verletzt haben (durch die Fundamente des Hausbaus).Dieser Brauch geht bis in die vorchristliche Zeit zurück und ist heute noch durchaus üblich. Auf der Heimfahrt haben wir noch an einem Badeplatz gehalten, wo sich noch einige die notwendige Abkühlung verschafft haben. Beim Verlassen des Chapare ist einem unserer Busse, wie sollte es in Bolivien auch anders sein, ein Malheur passiert. Jimmy, unser Fahrer hat den Bus im Stockdunklen in den Graben gesetzt. Nur mit Hilfe zweier Lastwagen war er wieder frei zu bekommen. So ist das nun mal in Bolivien. Wir sind aber alle mit dem Schrecken davon gekommen. Gegen 01.00 Uhr waren wir dann endlich völlig übermüdet in Cochabamba.

Dann begann der dritte Reiseteil, wo wir uns in mehrere Gruppen aufteilten: „Sucre- Potosi“, „Salar de Uyuni“, „La Paz und Titicaca“ und die Kranken , die in Cochabamba bleiben mussten.

Benne, Tobi, Jörg und Judith fuhren nach Sucre und Potosi, Christian entschied sich für La Paz und Titicacasee, da er zum offiziellen Reiseende wieder nach Deutschland musste. Die anderen hängten noch ein paar Tage in La Paz und Titicaca dran.

Sucre und Potosi

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Eigentlich wollte unsere Reisegruppe als Revolutionsromantiker auf den Spuren Che Guevaras wandeln. Da das zeitlich aber nicht machbar war wurden alle Pläne geändert und es ging auf eine wesentlich entspanntere Fahrt nach Potosi und Sucre.
Freitag abends ging es mit dem Bus auf die 14 stündige Fahrt zur Minenstadt Potosi. Als wir dort mittags gegen 11 Uhr ankamen erwischten wir gerade noch die letzte Führung durch die Casa de Moneda, der alten Münzprägerei. Nach einem bolivianischen Mittagessen fuhren wir dann zu den Minen. Bevor es los ging bekam jeder Kleidung und Grubenhelme und es wurden Geschenke für die Mineros gekauft. Koka, Zigaretten und Sprengstoff. Das Zubehör für eine Autobombe gibt es dort für nur 10 Bolivianos an jeder Ecke. (Falls es jemanden interessiert :o))
Die Eindrücke die wir in den Minen bekommen haben waren sehr bedrückend. Wir sind 14-jaehrigen Mineros begegnet die teilweise seit 2 Tagen durchgearbeitet hatten und durch den 96% Alkohol und die Kokablätter berauscht waren. Nach einem Abendessen ging es dann mit dem Bus weiter nach Sucre, die weiße Kolonialstadt. Den Sonntag begannen wir mit einem typisch bolivianischem Frühstück: Api und Pastelis.
Auf der Plaza trafen wir dann Pfadfinder aus Sucre und gingen kurz mit zu einem Treffen des Stammes. Danach fuhren wir nach Tarabuco auf einen traditionellen Markt.
Montags besichtigten wir dann die versteinerten Fußspuren von Dinosauriern und die "Casa de la Libertad", das Haus in dem die Unabhängigkeitserklärung Boliviens unterschrieben wurde.Am Abend trafen wir nochmal die Pfadis aus Sucre in einer Kneipe die extra für uns geöffnet hatte, und lernten bolivianische Trinkspiele.
Den letzten Tag in Sucre verbrachten wir mit einkaufen, Eis essen und gammeln auf der Plaza.
Nach einer so erholsamen und harmonischen Tour ging es Donnerstag abends wieder zurueck nach Cochabamba.

La Paz und Titicaca

Am Freitag den 09.08.2002 brachen wir abends um 22.00h mit dem Bus nach La Paz auf. In dem geräumigen Bus war die Fahrt angenehmer als zunächst gedacht und so sind wir doch noch mit ein wenig Schlaf in La Paz gegen 05.00h in unserem Hotel angekommen. Leider waren unsere Zimmer noch belegt und so mussten wir die Zeit mit fernsehen überbrücken, wobei wir das erste mal von der Hochwasserflut in Deutschland erfuhren.
An diesem Tag war Sightseeing in La Paz angesagt. Außer der Stadt ist besonders das Mondtal hervorzuheben, wo es nach Angaben von Neil Armstrong (war er es?) aussieht wie auf dem Mond. Abends lernten wir die Kneipen von La Paz kennen und sind, weil Carlos, einer der Bolivianer, einige Barbesitzer kannte, mit merkwürdigen Getränken bekannt gemacht worden, wie z.B. grünes Bier.
Etwas verkatert saßen wir am nächsten Morgen im Bus nach Copacabana. Auf dem Weg mussten wir den Titicacasee überqueren. Wir kamen dazu auf ein kleines Boot und der Bus auf eine winzige klapprige Fähre. Als er darauf fuhr scherzten wir noch, dass wir lieber noch ein letztes Foto von unseren Gepäck machen sollten, was sich auf dem Bus befand, bevor es mit ihm untergeht. Als die Fährenbesatzung auf der Mitte der Überfahrt hektisch anfing Wasser herauszuschöpfen und die Fähre immer langsamer wurde, waren wir doch etwas besorgt. Glücklicherweise hat sie es doch noch geschafft und wir sind gut in Copacabana angekommen. Dank Carlos kostete das Hotel nur 20 statt 50 Bolivianos, da er mit dem Hotelbesitzer verwandt war. Aber nicht nur hier hatte er die richtigen Verbindungen, sondern man hatte das Gefühl, dass die Hälfte der Bar- und Hotelbesitzer in La Paz und Copacabana kannte. bild
Nach dem Frühstück auf der Dachterrasse des Hotels fuhren wir am Montag mit einem Boot zum Südteil der Isla del Sol. Hier besichtigten wir eine kleine Tempelanlage und kehrten, nachdem wir uns ein wenig verlaufen hatten, zum Haus des Typen zurück, der uns das Boot organisiert hat. Dort gabs noch was zu essen und sogar Bier und Wein. Gesättigt und müde bauten wir darauf unsere Zelte in einem Eukalyptuswald fast auf der Spitze der Insel auf. Der Platz in den Zelten war so eng bemessen, dass einige Ihr Gepäck außerhalb des Zeltes liegen lassen mussten. Damit es nicht so einfach geklaut werden konnte, banden wir zumindest an einem Baum fest. Als nachts das Gewitter, das wir schon den ganzen Abend auf der anderen Seite des Sees bewundern konnten, auch zu uns herüber zog, hofften wir nur, dass es nicht anfängt zu regnen, denn dann hätte es einige Probleme mit dem Gepäck gegeben. Wir hatten Glück und konnten am nächsten Morgen nur ein wenig durchfroren den Sonnenaufgang über dem Titicacasee bewundern.
Zum Nordteil er Insel gelangten wir wieder mit dem Boot und dort gab es eine schöne Tempelanlage, die sich besonders zum Fangen- und Versteckenspielen eignete. Bevor wir wieder nach Copacabana aufbrachen, trauten sich ein paar sogar im eiskalten Wasser des Sees schwimmen zu gehen. Am Titicacasee gibt es sehr guten Fisch und den haben wir zu Mittag gegessen, bevor nachmittags nach Tiwanaku gestartet sind. Der kürzeste Weg dorthin führt über Peru. Einer der Bolivianer hatte unglücklicherweise seinen Ausweis vergessen und so gab es einige Probleme an der Grenze. Aber nach einigen Diskussionen klappte es doch und wir kamen spät abends in Tiwanaku an. Die Bevölkerung dort war sehr nett. Man half uns bei der Suche nach einem Zeltplatz und wir konnten so spät sogar noch etwas essen. Gegen Mitternacht schlugen wir unsere Zelte auf einer Wiese zwischen dem Dorf und den Ruinen auf.
Die Nacht war saukalt und am nächsten Morgen war Eis auf den Zelten. Zu essen hatten wir nichts mehr dabei, also musste sich das Frühstück auf Kokatee und das kauen von Kokablättern beschränken. Von Tiwanaku waren wir uns alle ein wenig enttäuscht, aber vielleicht lag es auch an der endlosen, manchmal etwas langweiligen Führung, in der wir wirklich jeden Stein und jede Scherbe einzeln erklärt bekamen. Gegen Abend waren wir wieder in La Paz. Nach dem Abendessen wollten wir unbedingt noch einmal in die "Green Bar", wo es das grüne Bier und andere nette Getränke gab. Obwohl alle zuerst totmüde waren, kamen wir erst um halb vier wieder ins Hotel zurück.
Die Nacht war entsprechend kurz denn am Donnerstag fuhr unser Bus schon um halb Zehn ab. Auf der Rückfahrt konnten wir uns dann ein wenig von der anstrengenden aber schönen Tour erholen.

Zurück in Cochabamba waren die Festtage zu Ehren der Virgin de Urkupina mit Trachtenumzug, großer Prozession, Messen und Feierlichkeiten. Wir bereiteten auch einen deutschen Abend vor, mit deutschem Essen und Musik.

Dann ging es leider schon wieder zurück, wir fuhren alle gemeinsam nach La Paz und verabschiedeten die, die zum offiziellen Reiseende wieder nach Deutschland flogen und verbrachten noch einige Tage am Titicacasee.


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