Aufgrund des Weltjugendtages mussten wir bis in den späten August warten, bis es in unser Sommerlager ging. Dieses Jahr fuhren wir nach Thale in den schönen Ost-Harz. Dort gab es schon immer Hexen. Und da Hexesein dort so etwas wie Tradition ist veranstalteten wir ein auch ein Hexenlager.
Bereits ein Tag vor der Abfahrt fuhr der Kirchenbus mit einer Gruppe tatkräftiger Pfadfinder voraus, um die Zelte aufzubauen. Nachdem die Zelte standen, und man sich vor dem Ansturm der Pfadfindermeute ein wenig ausruhen wollte, ging die Sonne weg, und was man schon insgeheim dachte traf ein . der Reisebus kam an. So musste man sein erfrischendes Getränk beiseite stellen und uns willkommen heißen.
Da fast alle Zelte standen, konnten sich die Kinder sofort einrichten und den Zeltplatz erkunden. Der Platz war sehr schön gelegen an einem Bach und an einigen Obstbäumen. Die Sanitärräume lagen direkt vor der Tür und auch die Sonne ließ sich wieder blicken.
Da der Sommer bis dahin nicht oft mit Sonnenschein gesegnet war, und wir aus den regenreichen Tagen des Pfingstlagers, und aus den bisherigen Lagern, gelernt hatten, wurden alle Zelte mit Vordächern ausgestattet und auch die Jurte für ein Schlechwetterprogramm erweitert. Man kann sagen, dass wir sehr gut vorbereitet für ein regnerisches Lager waren. Doch es sollte nicht regnen. (Wir müssten öfters ein regenreiches Lager planen, damit das Wetter uns einen Strich durch die Rechnung zieht.)
Am ersten Abend empfing der Hexenrat die Pfadfinderschar am großen Lagerfeuer. Leider hatte dieser schlechte Nachrichten. Die böse Hexe Blancka kündigte sich an, und wir hatten nur eine Möglichkeit die Kinder zu schützen: Einen Zaubertrank.
Leider fehlten noch die wichtigsten Zutaten, die die Kinder während des Lagers sammeln mussten. Daraus wurde ein allabendliches Ritual, bei dem der Zaubertrank auf dem Feuer mit wilden Kräutern, Tierfutter, chlorhaltigem Wasser und ähnlichem versetzt wurde.
Die Tage auf dem Zeltplatz verbrachte man damit einen großen Staudamm zu bauen, der ein Wasserrad antreiben sollte. Und an der .fliegenden Hexe., die an einer Seilbahn hing und durch Zahnräder und Keilriemen vom Wasserrad bewegt werden sollte.
Die Tiere des Forsthauses, zu dem der Zeltplatz gehörte, wurden besucht - oder besuchten uns. Und wir genossen den Sonnenschein, bei gemütlichen Spielen auf dem Platz.
Die Tage die den Gruppen überlassen waren, gingen an die verschiedensten Orte in der Umgebung von Thale. Gemeinsam besuchte man das Freibad, das mit seinen eisigen Wassertemperaturen lockte.
Die Wölflinge und Jufis besuchten den Hexentanzplatz. Dort gab es den Wildpark, wo man mit Bären, Wölfen und Wildkatzen Verstecken spielen konnte (Wir waren die suchenden!). Und es ging auch die Sommerrodelbahn des Öfteren nach unten.
Die Pantajeros besuchten Magdeburg, wo es nicht allzu viel zu sehen gab. Und machten sich auf Wanderschaft. Einmal durch das schöne Bodetal und über die Roßtrappe zurück.
Diese Strecke wurde auch von den Eddix bewältigt. Die starteten allerdings aus der anderen Richtung, und sollten nicht wiederkommen. Aber dazu später mehr.
Zu den Höhepunkten des Lagers sollte dann die Hexenrallye werden. Jedoch ging die Spannung verloren, nachdem alle Gruppen andere Wege gingen als vorgesehen. Ob es an der fehlenden Planung lag, oder an schlechter Führung ist immer noch nicht geklärt.
Mit Hilfe modernster Kommunikationstechnik wurden die Gruppen dann auf dem rechten Pfad geleitet. Die letzten Stationen waren schon am abbauen, als die Gruppen eintrafen. So wurde aus dem gewaltigen Spinnennetz ein provisorisches Seilwirrwarr. Und auch die Stimmung ließ nach. Es war schließlich schon am dämmern und man war müde.
So ging zum Ende hin die Luft aus und die Gruppen wollten nur zurück. Die Rallye dauerte bis es dunkel war.
Zum Wochenende kamen dann unser Kurat Michael und der Peter vorbei. Auch Käthe kam zu Besuch. Den Sonntag verbrachte man dann auch auf dem Platz mit den üblichen Aktivitäten und den AK´s, wo man in dem über hundert Jahre altem Backhaus Brot backen konnte, oder sich die heilende Wirkung einiger der wilden Kräuter erklären ließ, die überall am Platz wuchsen. Am Abend gab es dann einen Gottesdienst und man teilte sich das frisch gebackenem Brot.
Als unser Wochenendbesuch dann nach Hause fuhr, stand der nächste Besucher vor der Tür . unser bolivianischer Gast. Benjamin hatte seine Reise durch Deutschland unterbrochen, um unseren Stamm kennen zu lernen. Leider konnte er kein Englisch, und so konnte man sich nicht immer gut verständigen. Aber das Interesse auf Austausch war groß. Und so zeigten wir ihm, wie so die Tage im Sommerlager aussehen. Von A wie Apfel-Aufsammel-Strafe bis hin zu W wie Wasserschlacht und sogar noch bis Z wie Zitronentee konnte er sich ein gutes Bild machen, und dies auch für die Nachwelt festhalten.
Aber unser Lager neigte sich dem Ende. Zum Abschluss gab es noch ein überwältigendes Hexen-Buffet, mit Leckereien in den schrecklichsten Farben und unsern traditionellen bunten Abend, mit einem tollen Programm, vorbereitet von den einzelnen Zelten.
Nichts übertraf jedoch die Wahnsinns-Zauber-Show vom Leiterrunden-Ensemble "Siegfried & Roy", mit einer Auswahl an Stücken, die auch die Kinnlade von David Copperfield hätte offen stehen lassen.
Natürlich wurde der Zaubertrank an den Abend auch getrunken, da wir ja vollzählig nach Hause wollten. Und komischerweise schmeckte dieser, obwohl die komischsten Zutaten drin waren, nach Saft und Tee.
Am nächsten Tag war dann aber Aufbruch angesagt. Es ging ans abbauen. Zwar hatten wir mit dem Wetter immer Glück gehabt. Aber der Tau der lange auf den Zelten lag behinderte den zügigen Abbau. Aber wenn wir das im strömenden Regen schaffen, kann uns das gar nix. Ausgeruht und wieder bereit für den Schul-Alltag kamen wir dann in Kurtscheid an. Pünktlich zur Kirmes.